Andacht

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

Liest du Zeitung? Schaust Nachrichten? Informierst über das, was außerhalb Deiner eigenen vier Wände passiert? In Deiner Straße, Deinem Quartier? In Deinem Ort/Deiner Stadt? In Deiner Region? In unserem Land? Auf der Welt? Da kann einem manchmal schon angst und bange werden. So viel Schlechtigkeit. Zu viel von allem: Gewalt und Krieg. Unterdrückung von Menschen und Freiheit. Umweltverbrechen und Klimakatastrophe. Und selbst: ich fühle mich oft so klein. Schwach. Ohnmächtig, machtlos. Aber auch eingebunden. Bin ich doch Teil des Systems.

Schlechtigkeit, Ungerechtigkeiten und Gewalt – gab’s schon immer. Ist so alt wie wir Menschen. Immer wieder klagen Menschen darüber. Dagegen. Auch Gott beklagt das Leid, das durch ungerechtes Handeln hervorgerufen wird. Nennt Böses, Falsches beim Namen. Menschen sind seine Stimme. Ihr Sprachrohr. Nachrichtensprecher. Einer von ihnen: Amos. Klagt in Gottes Namen die Mächtigen seiner Zeit in Israel an. Sagt ihnen, dass Gott sieht. Spürt. Hört, was sie tun. Was sie verbrechen. Wie sie Menschen klein machen. Unterdrücken. Ihnen Gewalt antun. Ruft sie in Gottes Namen dazu auf, umzukehren. Anders zu handeln. So dass es Recht ist. So dass Gerechtigkeit herrschen kann.

Dann schaut Amos nach vorne. Weitet den Blick seiner Zuhörenden. Den der „kleinen Leute“, den der „Großkopferten“ und der ach so Wichtigen. Einfach nur ein Satz. Eingestreut in eine Klage über die Zustände: Es ströme das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. Sicherlich greift Gott ein. Sein Recht spült Unrecht weg. Seine Gerechtigkeit lässt Menschen groß werden. Und die anderen zu Dienenden. Kehrt Verhältnisse um. Schafft eine andere Welt. Gerechter. Gewaltfrei.

Damals – eine Vision.

Heute – eine Vision?

Ja sicher. Aber: jede und jeder kann ein Stück beitragen, dass aus der Vision Wirklichkeit wird. Im direkten Umfeld. Mit anderen zusammen. Niemand muss alleine stehen. So eine Kirchengemeinde kann ein Platz des Zusammentuns sein/werden. Auch hier in Luther mitten in der Stadt.

Komm behütet durch den Juli.

Dein Seelsorger Wolfdietrich Rasp